Die Wartburg wurde 1999 als erste deutsche Burg in die UNESCO-Weltkulturerbeliste aufgenommen. Das Erbekomitee hat die Wahl mit folgenden Worten begründet:

“Die Wartburg ist ein hervorragendes Denkmal der feudalen Epoche in Mitteleuropa. Sie fügt sich vorzüglich ein in ihre waldreiche Umgebung und ist in vieler Hinsicht die ideale Burg. Gleichwohl originale Bereiche aus der Epoche des Mittelalters bewahrt wurden, verdankt sie Silhouette und Äußeres im Wesentlichen der Wiederherstellung im 19. Jahrhundert, wodurch die Höhepunkte ihrer militärischen und lehensherrschaftlichen Macht in glänzender Weise demonstriert wurden.”

Diese Burg nimmt in der deutschen Burgenlandschaft eine ganz besondere Stellung ein. 1067 durch Graf Ludwig den Springer gegründet, wie es die Sage berichtet, wurde sie zur Keimzelle eines entstehenden ludowingischen Machtbereiches, welche sich seit der Mitte des 12. Jahrhunderts als prachtvolle Residenz zeigte. Das Repräsentationsbedürfnis der Burgbesitzer lässt der spätromanische Palas noch heute spüren. Er ist ein einzigartiges Zeugnis mittelalterlicher Baukunst. Hier ereignete sich auch der sagenhafte Sängerkrieg, spielte sich das Leben und vor allem das Wirken der heiligen Elisabeth ab und nicht zuletzt verbindet sich die Periode des deutschen Königtums der Ludowinger mit diesem Bauwerk. Auch nachdem die Dynastie der Ludowinger erloschen und die Wartburg an die Wettiner gefallen war, behielt die Burg noch bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts ihre vorrangige Bedeutung. Auch wenn ihre Bedeutung als Herrschaftssitz nach und nach verloren ging, erlebte ihre Geschichte immer wieder Begegnungen mit berühmten Persönlichkeiten und wird so bis heute mit berühmten Daten der Geschichte und Geisteswissenschaftlern aller Zeiten in Verbindung gebracht. Luther übersetzte 1521 hier das Neue Testament. Goethe, dem sich die Wartburg als einstige „Erholungsstätte“ des von Staatsgeschäften geplagten Weimarer Legationsrates stellt, weilte oft auf der Burg und empfahl ihre museale Ausgestaltung. Eine stattliche Anzahl von Goethes Wartburgzeichnungen befindet sich in der grafischen Sammlung der Wartburg-Stiftung und lassen sein „authentisches Burgerlebnis“ nachvollziehbar werden. Die deutschen Burschenschaften wählten die Burg 1817 für eine erste bürgerlich-nationale Willensbekundung. Der Zeitgeist forderte den Ausbau der Burg zum Nationaldenkmal. Romantik, Renaissance und der Historismus des 19. Jahrhunderts prägten die Ausstrahlung der Wartburg und bestimmten so auch ihre musealen Schätze