Geprägt wird das Bild der Stadt von kleinstädtischer Beschaulichkeit und geschäftigem Treiben. Hoch über der Stadt thront die Wartburg. Vermutlich mit dem Bau der Wartburg erfolgte auch Eisenachs Gründung. Im 12. Jahrhundert wurde ihr das Stadtrecht verliehen. Eine 2.900 Meter lange Stadtmauer umgab schützend die Stadt. Heute sind davon noch rund 700 Meter erhalten. Fünf Stadttore durchbrachen ehemals den Mauerring: das Georgentor, das Frauentor/Marientor, das Nikolaitor, das Predigertor und das Nadeltor/Jakobstor. Vier der Tore waren so angelegt, dass sie die wichtigsten aus vier Himmelsrichtungen in die Stadt führenden Handelsstraßen kontrollieren konnten. Das fünfte Tor, das Predigertor, öffnete den Weg zur Wartburg. Ihre Namen erhielten die Stadttore durch die Pfarrkirchbezirke, in denen sie sich befanden. Alle Stadttore Eisenachs waren mit Türmen versehen, deren oberste Stockwerke Fachwerkbauten waren. Nur das Nikolaitor war ein vollständiger Steinbau. Da die Tore nachts verschlossen waren und erst bei Tagesanbruch wieder geöffnet wurden, befanden sich Gasthöfe vor den großen Stadttoren an den Fernhandelsstraßen. Das einzig erhaltene Stadttor, das Nikolaitor und die Reste der Stadtmauer stellen heute Zeugnisse mittelalterlicher Baukunst dar. Eisenach entwickelte sich schnell zu einem politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum der Landgrafschaft Thüringen. Die Gründung des Herzogtums Sachsen-Eisenach brachte der Stadt durch rege Bautätigkeit und viele kulturelle Aktivitäten einen großen Aufschwung. So ist Eisenach nicht nur die Geburtsstadt Johann Sebastian Bachs und die Schulstadt Martin Luthers, sondern unter anderem auch die Geburtsstadt von Ernst Abbe und die Wahlheimat des niederdeutschen Dichters Fritz Reuter.

Die Reutervilla in Eisenach

Die Architektur der Reuter-Villa zeugt von gründerzeitlichem Denken und Leben, was uns überraschen sollte, da Reuter literarisch uns bekannt ist durch seine Anteilnahme am Los der mecklenburgischen Tagelöhner, denen er durchaus zeitlebens verbunden blieb. Die Kenntnis von Reuters Leben macht diesen Widerspruch verständlich. Im Reuter-Wagner-Museum erhält der Besucher eine Vorstellung vom Lebensstil und den politischen und gesellschaftlichen Spannungen, welche die Zeit Reuters in Eisenach bestimmten. Das Reuter-Wagner-Museum verschafft durch den Einklang von Gebäude und Ausstattung einen authentischen Bezug zum Dichter. Der Besucher spürt die Atmosphäre der Zeit Reuters deutlich, wenn er etwa an einem Sommertag bei halbgeöffneten Fenstern aus Luise Reuters Nähzimmer heraus zu den Hainteichen oder aus dem Salon über den Flügel hinweg zur Wartburg blickt oder an einem Winterabend im Salon bei Kerzenlicht der „Hausmusik bei Reuter“ lauscht.